Kein Weg ist zu lang mit einem Freund an der Seite
Was heißt „besser“
Freunde und Verwandte können in der Trauer eine große Stütze sein. Oft ist deren Hilfe jedoch nur von kurzer Dauer. Während die Trauer bleibt, kehrt das Umfeld zunehmend in seinen gewohnten Alltag zurück.
Auch Kollegen oder Familienmitglieder geben Trauernden mitunter zu verstehen, dass sie ihre Trauer aufgeben sollen, da es für sie keinen erkennbaren Grund mehr dafür gibt. Erwartungen beginnen zu keimen, dass es einem doch nun bald „besser“ gehe.
„Besser“ ist jedoch ein fragwürdiger Begriff im Zusammenhang mit dem Tod eines geliebten Menschen. Trauer wandelt sich mit der Zeit, aber wie sie sich nach Wochen, Monaten, Jahren anfühlt, ist bei jedem anders. Es wird Tage geben, an denen du sicher bist, dass du es schaffst ohne den geliebten Menschen weiterzuleben. Und es wird Tage geben, an denen sicher bist, dass du es keine Minute länger ohne ihn aushältst, während das Umfeld beginnt Signale zu senden, die dich drängen, das gewohnte Leben wieder aufzunehmen.
Aber das Leben ist alles andere als gewohnt, wenn uns jemand, den wir lieben, stirbt.
Stell dein Team zusammen
Für diejenigen, die ein Leben haben, in das sie zurückkehren können, mag es so wirken, als ob nach einer gewissen Zeit alles wieder in Ordnung sein sollte. Doch diejenigen, deren intimer Alltag vom Tod eines geliebten Menschen betroffen ist, haben selbst nach sechs Wochen oder sechs Monaten den ersten Schock noch nicht überwunden. Sie müssen den Rest ihres Lebens ohne diese Person verbringen und brauchen jemanden, der sie festhält, während sie fassungslos in das Loch starren, das einmal ihr Leben war.
Trauernde erwecken zwar irgendwann wieder den Anschein von Normalität, sind aber für unbestimmte Zeit auf Zuwendung, Beistand und Unterstützung angewiesen. Die Bildung eines Helferteams ist darum sehr wichtig.
Hilfe kann von vielen Seiten kommen und wird auf vielen Gebieten gebraucht. Oft findet man dort, wo man es am wenigsten erwartet, aufmerksame, mitfühlende und nicht wertende Zuhörer. Darüber hinaus kann der Wert konkreter und pragmatischer Hilfe für die Trauernden gar nicht hoch genug eingeschätzt werden
Ein regelmäßiger Umgang mit vertrauenswürdigen Wesen, die dem Schmerz und dem Leid der Trauer nicht ausweichen und die Trauernde immer wieder unerschütterlich in den Abgrund begleiten, kann ihnen Halt und Orientierung geben.
Mitgefühl und Beistand helfen Trauernden, die Wucht des Schmerzes auszuhalten und die ungeheure Last des Verlustes zu tragen.
Journal 4

Im JOURNAL findest du Angebote, tiefer in die Trauer einzutreten und dich mit ihr zu verbinden. Impulse und Übungen unterstützen dich dabei, deine Gedanken und Gefühle besser zu verstehen. Dabei geht es ausdrücklich nicht um Manipulation, Beschleunigung oder Beseitigung deiner Trauer. Vielmehr geht es darum, zu würdigen, was IST und in den Verlust hineinzuwachsen. Das Journal kann dir auch als Orientierungshilfe dienen. Es bietet Denkanstöße und gibt dir täglich etwas zu tun.
Vorschau Journal 4
Stell deine Leibgarde auf

Es ist überlebenswichtig zu wissen, wohin du dich wenden kannst, wenn Verzweiflung, Einsamkeit, Ohnmacht und Überforderung dich überwältigen.
Eröffne und erweitere nach und nach die Galerie deiner Verbündeten: Freunde, Angehörige, Tiere, Therapeuten etc.
Sammle gute Gedanken

Gedicht, Gebet, Affirmation, Mantra oder Zitat vertrauen auf die Kraft des Wortes. Auch sie können zu Helfern werden.
Lege dir eine Sammlung von zu Sätzen gewordenen Gedanken an, die du als hilfreich oder bedeutsam für dich empfindest.
Finde deinen Leitstern

Du hast einen schweren Verlust erlitten mit dem dein Lebensschiff gesunken ist. Wenn du nun schiffbrüchig auf dem offenen, unbekannten, bedrohlichen Trauermeer treibst, brauchst du einen Leitstern.
Schau um dich: Gibt es jemanden, der dich mit seiner Art zu trauern inspiriert oder ermutigt?
Schreibe deinem Leitstern

Wenn wir aufschreiben, was wir denken und fühlen, strukturieren wir es und setzen uns aktiv damit auseinander.
Denn Gedanken und Gefühle sind oft unübersichtlich und widersprüchlich.
Der Prozess des Schreibens trägt dazu bei, ein wenig Kontrolle wiederzuerlangen und uns bewusst zu machen, was in uns vorgeht.

Lesetipp
Megan Devine, Es is okay, wenn du traurig bist
Originalausgabe
It’s OK That You’re Not OK. 2017
ISBN: 9783868829402
„Freunde und Familie wollen, dass es Ihnen besser geht. Sie möchten Ihnen die Schmerzen nehmen. Was sie dabei nicht verstehen: Dadurch tun sie das Ausmaß Ihrer Trauer ab. Sie nehmen Ihre Realität nicht wahr, sie sehen Sie nicht.
Sie brauchen es, die Realität Ihres Verlustes widergespiegelt zu bekommen – in vollem Umfang, unverwässert.“
